Der richtige Schwimmstil zum Schwimmen lernen

Die Wahl des Schwimmstils zu Beginn war in Deutschland lange Zeit klar: Kinder lernen zunächst Brustschwimmen. Die Orientierung und Atmung waren (und sind zugegebenermaßen) noch heute klare Vorteile dieser Schwimmlage.

International betrachtet ist das aber tatsächlich eher die Ausnahme. Kraul- und Rückenschwimmen bieten als Wechselzugschwimmarten eine intuitivere Bewegungsform als das Brustschwimmen. Der Grund liegt in unserer natürlichen Motorik: Der Kraulbeinschlag knüpft an die wechselseitigen Bewegungen des Gehens und Laufens an – Bewegungen, die Kinder bereits kennen und beherrschen.

Tatsächlich ist der Brustbeinschlag nicht intuitiv und wird von vielen falsch ausgeführt, sodass kein effizienter Vortrieb erzeugt wird. Das technisch korrekte Brustschwimmen – mit Ausatmung unter Wasser, ohne Scherbeinschlag und mit sauberem Gleitmoment – findet man im öffentlichen Badbereich seltener als die fehlerhafte Variante. Hinzu kommt: Schleichen sich früh Fehlmuster ein, etwa der Kopf dauerhaft über Wasser oder ein Kniestich nach vorne statt eines sauberen Froschbeinschlags, sind diese später nur sehr mühsam wieder auszumerzen. Langfristig ist Brustschwimmen zudem körperlich belastender als andere Stile, besonders für die Halswirbelsäule und die Kniegelenke.

Warum Rücken- und Kraulschwimmen didaktisch überlegen sind

Besonders das Rückenschwimmen wird in der modernen Schwimmpädagogik als idealer Einstieg gesehen: Es nimmt Kindern die Angst vor dem Atmen im Wasser, vermittelt früh ein Gefühl von Sicherheit und Auftrieb – und das ganz ohne die Herausforderung, den Kopf unter Wasser zu halten. Wer erst das Rückenschwimmen beherrscht und dann das Kraulen erlernt, schafft eine solide Basis, auf der sich das Brustschwimmen später leichter und vor allem sauberer aufbauen lässt.

Auch in anderen deutschsprachigen Ländern setzt sich dieses Umdenken durch: In der Schweiz empfehlen die meisten Schwimmschulen mittlerweile, mit den Wechselschlagschwimmarten zu beginnen, und auch in Österreich ist man dazu übergegangen, Kinder zuerst Rücken- und Kraulschwimmen zu lehren, bevor das Brustschwimmen eingeführt wird.

Umso öfter wird daher auch in Deutschland Kraul- und Rückenschwimmen noch vor dem Brustschwimmen erlernt. Und das völlig zurecht. Selbst die DLRG empfiehlt, möglichst früh weitere Schwimmstile zu erlernen: Kraulschwimmen ist deutlich kraftschonender und kann im Ernstfall – etwa wenn ein Kind unerwartet vom Ufer abtreibt – den entscheidenden Unterschied machen.

Das Dilemma im deutschen Schulsystem

Als Schwimmlehrer muss man sich zwangsläufig die Frage stellen, welchem Konzept man folgt. Das Problem: Hierzulande steht in Schulen das Brustschwimmen noch klar im Fokus. Kinder, die zwar kraulen, aber kein Brust schwimmen können, gelten im Unterricht dennoch als „Nichtschwimmer“ – ungeachtet ihrer tatsächlichen Wasserkompetenz.

Mein grundsätzlicher Ansatz ist daher ein Kompromiss: Ich beginne mit dem Brustschwimmen, binde aber Elemente aus Kraul und Rücken bereits früh ein. So wird dem schulischen Anforderungsprofil Rechnung getragen, ohne die didaktischen Vorteile der Wechselschlagschwimmarten zu vernachlässigen.

Erwachsene: Ein anderer Ausgangspunkt

Bei Erwachsenen sieht die Situation etwas anders aus. Sie haben in der Regel ein besseres Körpergefühl und sind oft besser in der Lage, den koordinativ anspruchsvollen Brustbeinschlag korrekt umzusetzen. Hinzu kommt, dass die gute Orientierung beim Brustschwimmen – Kopf über Wasser, freie Sicht – gerade bei ängstlicheren Teilnehmern ein wichtiger psychologischer Vorteil ist.

Daher würde ich bei Erwachsenen tendenziell mit dem Brustschwimmen beginnen. Das hängt jedoch stark vom Einzelfall ab: Wer sich motorisch leichter tut oder wenig Berührungsangst mit dem Wasser hat, macht häufig beim Kraulschwimmen schneller Fortschritte.


Weiterführende Links

Brustschwimmen oder Kraulen – DLRG & NIVEA-Ratgeber – Ausgewogener Überblick über beide Stile mit Einschätzung der DLRG

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